Detlef J. Wilke





Detlef J. Wilke war über 20 Jahre Leiter der Selbsthilfegruppe „Hirnverletzte und Angehörige“. Er ist leider im August 2016 verstorben. Die Selbsthilfegruppe für Betroffene würde es ohne ihn gar nicht geben, weil viele von ihren Mitgliedern vor zunächst an „seiner“ SHG teilgenommen haben.

Seit März 2017 existiert die Selbsthilfegruppe „Hirnverletzte und Angehörige“ nicht mehr. Der Grund dafür sie einzustellen, war mangelnde Nachfrage. Diesen Grund finden wir sehr positiv, weil anscheinend ratsuchende Angehörige von anderen Seiten Unterstützung erfahren. Detlef J. Wilke hatte noch zu Lebzeiten für seine Nachfolge als Sprecher der Selbsthilfegruppe „Hirnverletzte und Angehörige“ gesorgt und wir danken Jan Pregnitz an dieser Stelle für sein ehrenamtliches Engagement.

Die Website habe ich, Dorit Heinsohn, nur in sehr leicht veränderter Fassung für die Selbsthilfegruppe „Selbsthilfegruppe – Hirnverletzte“ von Detlef J. Wilke übernommen. In dieser Website kommt viel seines Wissens, sein Engagement und sein Herzblut für die Sache von Hirnverletzen zum Ausdruck.
Hier hat Detlef Wilke geschrieben, wie er dazu gekommen ist, die Gruppe zu gründen und zu seinem Sprecher wurde:



Wie bin ich Sprecher dieser SHG geworden? 

Unsere Familie wurde Anfang 1993 durch eine  spontane Gehirnblutung aus einem angeborenen, aber bis dahin unbekannten Aneurysma bei meiner damals 27-jährigen, ledigen Tochter betroffen. Ein gewaltiger Schicksalsschlag!

Als das Ereignis eintrat, war unsere Tochter glücklicherweise nicht allein in ihrer kleinen Wohnung; ein Freund konnte sich unmittelbar um die notwendigen Rettungsmaßnahmen kümmern. Andernfalls hätte sie nicht überlebt.

Von jetzt auf gleich war unsere Tochter, eine nach dem Abitur ausgebildete, in ihrem Beruf arbeitende  Fremdsprachenkorrespondentin, zu 100%  schwerbehindert, Hilfebedürftig und auf ständige Begleitung angewiesen, mit einer außergewöhnlichen Gehbehinderung, wobei die ersten beiden Jahre von Koma, Wachkoma, Spitzfüßen, Beingipsungen, Quängelschienen, Rollstuhl, Gehwagen, Operationen mit erneuter Lebensgefahr begleitet waren. Kein Wunder, dass wir Eltern gar keine Zeit hatten (zumal ich damals auch noch im Berufsleben stand), uns um  Selbsthilfe zu kümmern. Meine Frau hat Unglaubliches geleistet, insbesondere während  dieser Zeit. Als ich mich endlich der Frage der Selbsthilfe zuwenden konnte, stellte sich heraus, dass  es noch gar keine Gruppe gab, der wir uns hätten anschließen können.

Bei KISS Hamburg-Altona hatte man aber bereits begonnen, eine Liste von Interessenten anzulegen, und nach einiger Zeit lud KISS zu einem Gründungstreffen ein. Ab 1996 existiert  unsere Gruppe und trifft sich regelmäßig einmal monatlich. Da wir Eltern in der glücklichen Lage waren, zu zweit diese schwierige Lebenssituation unserer Tochter maßgeblich mitzugestalten, habe ich die Gelegenheit ergriffen, die Gruppe als Moderator und Sprecher zusammenzuhalten und Ratsuchende telefonisch bzw. auf unseren Treffen mit Informationen, Tipps und Beistand, meist in akuten Situationen, zu versorgen. Während der vielen Jahre sind Hunderte von Menschen mit uns in Kontakt gewesen. Ich denke, die meisten haben daraus Nutzen ziehen können, weil mittlerweile ein großer Schatz an einschlägigen Erfahrungen bei engagierten Angehörigen zusammengetragen wurde, der in dieser Authentizität und Umfang anderweitig kaum zu finden ist. Ich habe daraus das Wichtigste in unserem Faltblatt zusammengeschrieben. Siehe dort!

Um unserer Tochter den Eintritt in eine Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) zu ermöglichen,  die als erste in Deutschland bereit und in der Lage war, sich speziell den Menschen mit Erworbenem Hirnschaden (MeH) zuzuwenden, hatten wir für fünf Jahre unseren Wohnsitz nach Nordfriesland verlegt, wo in Breklum eine spezielle Abteilung für MeH der Husumer Werkstätten eröffnete.

Mittlerweile wohnen wir wieder in Hamburg, weil unsere Tochter einen Arbeitsplatz in der ebenfalls auf MeH spezialisierten Abteilung einer Werkstatt für behinderte Menschen bekommen hat. Seit einiger Zeit wohnt unsere Tochter in der Wohngruppe für MeH einer renommierten Hamburger Behinderteneinrichtung. Sie besucht uns regelmäßig.

Eltern heißen Eltern, weil sie älter sind als ihre Kinder. Das wirkt sich in unserer Familie so aus, dass meine Frau und ich sich mit steigendem Alter Sorgen gemacht haben, wie es mit unserer Tochter weiter geht, wenn einer oder beide von uns nicht mehr in der Lage sein werden, den vielfältigen Aufgaben für unser Kind gerecht zu werden. Die Beschäftigungs-  und Wohnsituation für die Tochter haben wir geklärt. Ein Sohn wird zu gegebener Zeit die offizielle "Betreuung" von Kirsten fortführen.

Und da komme ich auf einen anderen Aspekt für die Familie, die ein solcher Schicksalsschlag trifft, zu sprechen, der überhaupt noch nicht berührt wurde: Es ist immer die gesamte Familie betroffen!
In unserem Fall sind die Söhne, beide älter als die Tochter und drei Enkel in dieser Situation nicht immer zu ihrem Recht gekommen.

Eine ganz andere Situation ergibt sich in den Fällen, wo so ein Ereignis wie ein Blitz in eine Partnerschaft einschlägt. Dann liegt keine Blutsverwandtschaft vor und es handelt sich nur um eine Person, die alles allein regeln muss. Das ist rein zeitlich nicht zu schaffen!

Ich wünsche mir, dass einschlägig Ratsuchende durch die Lektüre dieser Homepage für ihre Situation Nützliches erfahren.

‚Alles Gute und viel Erfolg’ im Sinne von Nähe zu einer Normalität!

Detlef B. Wilke

 

 

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